Die Entwicklung der verschiedenen Ortskerne der Stadt Markkleeberg lässt sich bis weit in das Mittelalter zurückverfolgen. Kennzeichnend sind hier Rittergüter, die sich in der wasserreichen Landschaft oft auch mit Gräben um ihre Herrensitze vor Eindringlingen zu schützen versuchten. Mehrere Besitzwechsel und geänderte politische, wirtschaftliche und kulturelle Rahmenbedingungen hinterließen auch in den Ortskernen und Rittergütern ihre Spuren.
Im Oktober 1813 war Markkleeberg Schauplatz der südwestlichen Front der „Völkerschlacht“. Insbesondere die Ortslagen Markkleeberg und Dölitz mit ihren Schlössern und Torhäusern wurden einbezogen.
Einen kräftigen Entwicklungsschub gab es im ausgehenden 19. Jahrhundert. Aus der prosperierenden Stadt Leipzig drängten immer mehr Wohlhabende ins Umland, kauften Güter, bauten Villen, legten Parks und Gärten an. Gleichzeitig wurden Flüsse reguliert, begradigt, Vorkehrungen gegen die alljährlichen Hochwässer geschaffen. Schließlich galt es, Bauland zu gewinnen. Im ausgehenden 19. Jahrhundert war für die Entwicklung Markkleebergs einer der vorausschauendsten Bürger Walter Kees. Ihm gehörten große Flächenanteile in Zöbigker, Gautzsch, Raschwitz und Oetzsch. Walter Kees stammte aus der Familie der Sächsischen Oberpostmeister und war Ratsherr in Leipzig. Er unterstützte die Erschließung der Ländereinen mit der Straßenbahn (1902: Inbetriebnahme zweite Außenbahnstrecke Leipzigs bis Gautzsch). Eine der ältesten Eisenbahnverbindungen Deutschlands von Leipzig nach Hof führte bereits durch die Ortsteile. Es entstanden prachtvolle Villengebiete, die Ortskerne Oetzsch und Gautzsch wuchsen mit Geschoßwohnungsbau zusammen.
Den südlichen Teil seiner Ländereien in Oetzsch verkaufte Walter Kees an den Leipziger Verleger Paul Herfurth (1855-1937). Dieser leitete ein neues Kapitel in der Geschichte Markkleebergs ein.
Grünes Markkleeberg
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren alle historischen Rittergüter und Schlösser auf (heutiger) Markkleeberger Flur entsprechend des Zeitstils hergerichtet. Die Besitzer wetteiferten um die schönsten Anlagen und die Anpflanzung seltener Gehölze oder neuer Züchtungen. Von den bedeutendsten Anlagen dieser Zeit sind heute noch der Kees‘sche Park in Gautzsch und der Herfurth‘sche Park in Oetzsch (heutiger agra-Park) erhalten.
Paul Herfurth ließ um 1890 die erworbenen Flächen zu einem prächtigen Villengarten im gemischten Stil umgestalten und für das als Sommersitz der Familie genutzte Anwesen insgesamt drei Gebäude errichten, von denen heute noch zwei erhalten sind: die neoklassizistische Herfurth’sche Villa, die im Volksmund als „Weißes Haus“ bezeichnet wird, und das aufgrund seines Baustiles so genannte „Schweizer Haus“.
Um 1920 erwarb Paul Herfurth angrenzende Flächen auf Dölitzer Flur jenseits der Pleiße (Gebiet der Stadt Leipzig) und erweiterte seinen Park geschickt auf insgesamt 38 Hektar. Große Teile des Parks waren im Winter öffentlich zugänglich und werden auch heute noch von der Bevölkerung rege genutzt.
Die Enteignung der Familie Herfurth im Jahr 1945 leitete eine neue Entwicklungsphase der Parkanlage ein. Nach 1945 ging der Herfurth‘sche Park in Volkseigentum über. 1946 fand die erste Gartenbauausstellung auf dem Rathausplatz in Oetzsch statt.
Im Jahre 1960 wurde die Gartenbauausstellung nach Erfurt verlagert, so dass der Herfurth’sche Park als Ausstellungsgelände nicht mehr benötigt und zum Erholungspark umgestaltet werden konnte. Zwischen 1970 und 1975 erfuhr der Herfurth‘sche Park seine größte Umgestaltung. Die durch den Braunkohlenbergbau zerschnittenen Fernverkehrsstraßen B 2 und B 95 mussten zusammengelegt neu nach Leipzig trassiert werden. Es wurde dafür eine Trasse durch den südlichen Auwald gewählt, die auch den Park zerschnitt.
