Die Tradition von Gartenbauausstellungen lässt sich in Leipzig bis in das Jahr 1844 zurückverfolgen. Anfang des 20. Jahrhunderts gründeten Leipziger Betriebe mit dem Ziel der Effektivierung von Einkauf und Absatz die Gärtnereizentrale Leipzig. Mehrere Organisationsformen der Gärtnereibetriebe sind bis zum Anfang des 2. Weltkrieges nachweisbar.
Die Stadt Markkleeberg bot nach dem Krieg mit ihren Parkanlagen günstige Voraussetzungen für die Ausrichtung landwirtschaftlicher und gärtnerischer Ausstellungen. Unter bescheidensten Bedingungen fand 1946 die erste Schau auf Markkleebergs Rathausplatz statt. Nachdem sich in diesem und im Folgejahr zunächst nur Gärtnereibetriebe aus der Stadt und der näheren Umgebung beteiligten, trug man bereits 1948 dem gewachsenen Interesse mit der Gründung der „Genossenschaft zur Förderung des Gartenbaus GmbH“ als Veranstalter und dem gleichzeitigen Erwerb größeren Geländes Rechnung. 25 Hektar aus dem ehemaligen Herfurth‘schen Park wurden für die Entwicklung der Landwirtschaftsausstellung zur Verfügung gestellt. Von Beginn an waren die Kosten der Dauerausstellungen durch Einnahmen nicht zu decken und die Veranstalter auf staatliche Zuschüsse angewiesen
Die Ausstellung beschränkte sich bis 1949 auf den westlichen Teil des Parks. Ab 1950 kam das Gebiet östlich der Pleiße hinzu, welches eine komplette Umgestaltung erfuhr.
Während 1950 die erste Gartenbauausstellung der DDR in Markkleeberg öffnete, fand gleichzeitig auf dem Gelände der technischen Messe in Leipzig die erste Landwirtschaftsausstellung der DDR statt.
1952 wurden beide Veranstaltungen auf dem Markkleeberger Ausstellungsgelände zusammengelegt. 1953 konnte dafür das neue Ausstellungsgelände zwischen Mühlpleiße und der Bornaische Straße fertiggestellt werden. Im Laufe des Jahres wurden auf dem Gelände zahlreiche Ausstellungshallen und Pavillons errichtet und das Gebiet fortan als Ausstellungsgebiet der Landwirtschaftsausstellung bezeichnet, während die Gartenbauausstellung auf das Gebiet des ehemaligen Herfurth‘schen Parks beschränkt blieb. Sie rückte in den kommenden Jahren allerdings immer mehr in den Hintergrund, während die Landwirtschaftsausstellung an Bedeutung gewann.
1960 wurde die Gartenbauausstellung nach Erfurt verlegt. Das ehemalige Ausstellungsgelände der Gartenbauausstellung, der Herfurth‘sche Park sowie das Gelände östlich der Pleiße außerhalb des Ausstellungsgeländes wurden von da ab überwiegend zu einem Erholungspark ausgestaltet, der der Freizeitgestaltung und gastronomischen Versorgung der Besucher der Landwirtschaftsausstellung sowie der Anwohner dienen sollte.
1956 wurde die Landwirtschaftsausstellung als ständige Einrichtung manifestiert und 1958 erstmals mit internationaler Beteiligung (Sowjetunion, VR Polen, CSSR und die VR Ungarn) veranstaltet. Die Schauen führten von 1966 bis 1990 den Namen „Landwirtschaftsausstellung der DDR“, dazu den Untertitel „agra Markkleeberg“.
Bis 1989 präsentierte man dort unter dem Synonym „agra – Universität im Grünen“ die neuesten Techniken und Methoden der sozialistischen Landwirtschaft. Auf dem 90 Hektar großen Gelände fand in mehr als 90 Hallen und Pavillons die agra-Landwirtschaftausstellung der DDR statt. Mit diesen Ausstellungen verbunden wurden Maschinenvorführungen, Demonstration von moderner Tierhaltung und -zucht usw. Die dafür erforderlichen Geländeteile wurden südlich und östlich des ehemaligen Herfurth‘schen Parkes entwickelt. Es bürgerte sich der Begriff „agra-Park“ ein. Die Ausstellungen zählten jährlich über eine halbe Million Besucher, darunter zehntausend Besucher aus über 100 Ländern. Sie wurden auf zahlreichen Bühnen und Terrassen mit einem umfangreichen kulturellen Programm im Teil des ehemaligen Herfurth‘schen Parks begleitet.
Nach der politischen Wende gingen die Parkteile in kommunale Verantwortung der Städte Markkleeberg und Leipzig über. Es gelang, ein Konzept für die Weiterführung der landwirtschaftlichen Ausstellungen umzusetzen. Die Ausstellungen fanden in größeren Abständen statt, waren von geringerem Umfang und kürzer. Dafür wurde nur noch das Ausstellungsgelände östlich des Parks an der Bornaischen Straße in Leipzig benötigt.
Im nördlichen Parkteil wurde eine Außenstelle des Deutschen Landwirtschaftsmuseums erbaut, die sich der Geschichte der DDR-Landwirtschaft widmete und 1997 eröffnete. Im Jahr 2001 musste das Museum bereits wieder schließen. Seine reichhaltigen Bestände wurden mit dem Deutschen Landwirtschaftsmuseum auf Schloss Blankenhain (bei Crimmitschau) vereinigt. Auch die agra-Messe zog auf das Neue Messegelände im Norden Leipzigs. Verbliebene Ausstellungs- und Wirtschaftsbauten wurden überwiegend abgerissen. Im östlichen Parkteil (Leipzig) wurden die leer stehende Parkgaststätte mit einem Erbbaurecht privatisiert. Auch hier wurden Gebäude aus der Ausstellungszeit abgebrochen und Flächen entsiegelt.
Die Städte Markkleeberg und Leipzig gestalteten den „agra-Park“ nach einer gemeinsamen denkmalpflegerischen Konzeption in Rückbesinnung auf den Herfurth’schen Landschaftspark. Mit dem „Weißen Haus“, den Museen, Restaurants und gewerblichen Ansiedlungen zählt der „agra-Park“ jetzt zu den beliebtesten touristischen Zielen der Stadt Markkleeberg. Mit vielen Veranstaltungen und Angeboten für Kinder, Jugendliche und Familien wurde er zum ganzjährigen Erholungsort.
Der Park als Denkmal
Beide Teile des Herfurth’schen Parks (Markkleeberger Gebiet und Leipziger Gebiet) sind als Sachgesamtheit geschützt. Die südlich des Parks liegenden Flächen (Markkleeberger Flur) sind nach Beendigung der Ausstellungen und anderer Nutzungen brach gefallen. Ehemals gehörten Teile davon zum Herfurth‘schen Park.
Die Brachflächen haben einen hohen Anteil an Versiegelung bzw. Befestigung, unterirdischen Fundamenten und werden nur temporär genutzt. Sowohl am östlichen als auch am westlichen Endpunkt liegen Flächen, die der städtebaulichen Entwicklung und Einbindung bedürfen. Im Übergangsbereich zum erhaltenen historischen Parkteil zog 2009 die Ökoschule als Bildungsstätte für Kinder und Jugendliche in ein neues Gebäude ein.
Als Vorbild für die Erhaltung und Entwicklung des Gehölzbestandes im agra-Park Markkleeberg dienen die Kenntnisse über den Baumbestand und die Pflanzenverwendung im Herfurth’schen Park. Aus dieser Zeit sind noch zahlreiche Bäume erhalten, z.B. alte Stieleichen, Buchen, Trauerweiden. Diese werden besonders gepflegt, um die Vitalität zu steigern. Insgesamt bedarf der Baumbestand des Parks gezielter Nachpflanzungen, um so einer einheitlichen Überalterung vorzubeugen.
